Verband der Privaten Krankenversicherung

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abgefahren! -abgefahren! -


Ein Projekt zur Prävention alkoholbedingter Jugendgewalt des Freiburger Präventionsprogramms PräRIE

Seit einem knappen Jahr sind Profis von PräRIE und ausgebildete Freiwillige regelmäßig in Straßenbahnen und an Haltestellen der Freiburger Verkehrs AG (VAG) unterwegs, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die gemischten Teams sind schnell an ihren leuchtend grünen Westen und schwarzen Taschen voll mit Postkarten, Kulis und Gummibärchen zu erkennen. Jeweils zwei Teams steigen freitags oder samstags abends in Straßenbahnen ein und sprechen Jugendliche zu den Themen Alkohol und Gewalt an. Eigens entwickelte Materialien informieren über Folgen riskanten Alkoholkonsums und Konsequenzen von Gewaltdelikten. Jugendliche können auf lockere Art und Weise über Quiz-Einstiegsfragen ihr Wissen zu straf-, zivil- und verkehrsrechtlichen Folgen von Gewalt testen. Auch die gesundheitlichen und psychischen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums spielen eine wichtige Rolle, denn nach den Erfahrungen des PräRIE-Teams gibt es da bei vielen Jugendlichen kein Problembewusstsein.

Zuerst gab es Bedenken, ob so etwas in Straßenbahnen funktionieren kann, wo schließlich viele mithören können. Doch die Gesprächsbereitschaft war von Anfang an hoch. Man war beim Projektträger selber von der Qualität, Intensität und Offenheit der Gespräche überrascht. Und so ist eines ganz klar geworden: Über die Folgen von Alkohol und Gewalt kann und muss gesprochen werden.

Alkohol- und Gewaltprävention gehören zusammen

Das Projekt baut auf langjährigen Erfahrungen von Innenstadteinsätzen mit Peer-Beraterinnen und -Beratern in Freiburgs Partyzonen auf. Bewährte Ansätze nach den Prinzipien der „Motivierenden Kurzintervention“ wurden weiterentwickelt und auf den öffentlichen Nahverkehr ausgedehnt. Zum Projektstart im Februar 2012 wurden Fahrgäste von PräRIE in Form eines „TramTalks“ zu den Themenkomplexen „Erfahrungen mit Alkohol und Gewalt“ befragt. Die Auswertung des Universitätsklinikums Freiburg zeigte, dass männliche Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren häufig einen höheren Alkoholkonsum haben als ältere Befragte und dass dieser deutlich häufiger mit Gewalterfahrungen wie Beteiligung an Schlägereien oder dem Erleben von Beleidigungen sowie mit Alkoholvergiftungen einhergeht. Die meisten Jugendlichen reden bereitwillig über ihre Erfahrungen mit Alkohol. Eine Reflexion über Gewalt, sei es von Täter- oder Opferseite, ist allerdings noch immer tabubesetzt. Auch der unmittelbare Zusammenhang zwischen übermäßigem Alkoholkonsum und Gewalt spielte bisher in der öffentlichen Wahrnehmung noch kaum eine Rolle.

Als Belohnung winken „Special-Events“. Dazu gehören entweder Besichtigungen der Verkehrsbetriebe, eine Fahrt mit dem „Partywagen“ und alkoholfreie PräRIE-Cocktails, Zivilcourage-Kurse oder ein „Risiko-Check“-Wochenende. Zu diesen Hauptgewinnen dürfen die Jugendlichen Freunde mitbringen. Um an die begehrten Preise zu kommen, ist der Besuch der Projektwebsite www.praerie-abgefahren.de nötig.

Von diesen Belohnungen profitieren nicht nur die Gewinner. Auch für die Region und den öffentlichen Nahverkehr ist es von Vorteil, wenn Jugendliche sich intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben und in ihren Communities Mittler für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol werden.

Ansprechen, informieren, interessieren, vertiefen

Schon kurze Gesprächssequenzen in Straßenbahnen reichen aus, um Jugendliche anzusprechen und Basisinfos zu Alkohol und Gewalt an sie weiterzugeben. Auch Anstöße zum Nachdenken über eigenes Trinkverhalten, erlittene oder ausgeübte Gewalt sind in kurzen Zeitintervallen möglich. Eine Info-Postkarte fasst die wichtigsten Fakten über Auswirkungen von Alkohol und Gewalt zusammen und bleibt bei den Jugendlichen, wenn sich die Wege von Fahrgästen und Beratungs-Teams wieder trennen. Tiefer gehende Reflexionen würden den Rahmen kurzer gemeinsamer Fahrten sprengen. Deshalb bietet der Besuch der Website www.praerie-abgefahren.de Gelegenheit, Wissen zu testen und einen Selbst-Check durchzuführen. Wer 50% der Fragen richtig beantwortet, nimmt an Verlosungen zu attraktiven Gewinnen mit Sinn teil.

Neue Kooperationen mit Vorteilen für alle

Alkoholbedingte Jugendgewalt wird im öffentlichen Raum und im Zusammenhang mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) besonders sichtbar. Die abendliche Fahrt mit der Tram wird häufig zum „Vorglühen“ genutzt und Gewalttaten unter Alkoholeinfluss und Vandalismus nehmen auch an Haltestellen zu. Besonders betroffen sind Haltestellen als Knotenpunkte ins ländliche Umland, wo inzwischen ein privater Sicherheitsdienst die Nachtfahrten am Wochenende begleitet, um Ausschreitungen zu verhindern. Durch die Kooperation mit der Freiburger Verkehrs AG (VAG) erhält die Suchthilfe einen neuen, sehr gut geeigneten Zugang zu jugendlichen Partygängern und für die Verkehrs AG liegen die Vorteile von Deeskalation und einem gewaltfreiern Klima ebenfalls auf der Hand.

Schon jetzt wird deutlich, dass aus den projektbezogenen Vernetzungen weitere Kooperationen folgen werden. So zum Beispiel ergänzende Elemente wie Selbstsicherheits-Trainings für Mädchen oder Angebote zum Thema Gewaltprävention in der schulischenPräventionsarbeit.

Nachgefragt

PräRIE, das Kooperationsprojekt von Arbeitskreis Suchthilfe und Stadt Freiburg i.Br. nutzt alles, was den Projekten und der ständigen Weiterentwicklung der eigenen Arbeit zugute kommt. Deshalb werden auch Impulse aus dem Bundeswettbewerb Alkoholprävention konsequent aufgegriffen. So hat sich das Einnehmen einer "Außenperspektive" beim Ausfüllen des Teilnahmebogens und der Austausch mit anderen im Rahmen der Preisverleihung die eigene Arbeit bereichert. Nun gilt es, nicht nachzulassen, sondern weiter die interaktive Website intensiv bei der Jugendliche zu bewerben. Das Preisgeld setzt PräRIE ein, um mit attraktiven Anreizen die Beteiligung zu erhöhen. Auch der Zugang zu der Freiburger Verkehrs–AG soll mit "voller Fahrt" fortgesetzt werden. Fazit der Projektträger: Die Bereitschaft zum Austausch und Voneinander lernen mit anderen Anbietern von Alkoholprävention und neuen Partnern ist eine tolle Sache. Vielleicht liegt es an der Offenheit, dem bereitwilligen Teilen von Erfahrungen und der Bereitschaft neue Ideen aufzunehmen, dass die Projektträger nun außerdem einen Preis im "6. Kommunalen Wettbewerb Vorbildliche Strategien Kommunaler Suchtprävention - Alkoholprävention im öffentlichen Raum" entgegen nehmen konnten.

Projektträger

Arbeitskreis Suchthilfe Freiburg und Stadt Freiburg i.Br.

Ansprechperson

Karin-Anne Böttcher, Projektkoordinatorin
Koordinationsstelle Kommunale Alkoholpolitik
Stadt Freiburg i.Br. (Amt für Soziales und Senioren)
Jacob-Burckhardt-Straße 1
79098 Freiburg
E-Mail: praerie@stadt.freiburg.de


Porträt: abgefahren! - Arbeitskreis Suchthilfe Freiburg

PDF-Dokument, 3 Seiten

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Die 5 Phasen des Wettbewerbs

  1. Projekte einreichen
    15.05.2012 bis 24.08.2012
  2. Bewertung durch die Jury25.08.2012 bis 10.12.2012
  3. Bekanntgabe der Nominiertenab 11.12.2012
  4. Preisverleihung20.02.2013
  5. DokumentationEnde Februar 2013