Verband der Privaten Krankenversicherung

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Euregionaler AlkoholparcoursEuregionaler Alkoholparcours


Wohnen in der deutschsprachigen Gemeinschaft, Studieren in Aachen, Feiern in Limburg. Ländergrenzen in Europa sind für viele kaum noch spürbar. Jugendliche, die schon mit durchlässigen europäischen Grenzen und einer Gemeinschaftswährung aufwuchsen, nehmen Ländergrenzen in ihrem Alltag kaum noch wahr. Besonders bei aneinandergrenzenden Ländern, wie Deutschland, den Niederlanden und Belgien findet Wohnen, Arbeiten und Studieren längst übergreifend statt. Junge Menschen in der Euregio Maas-Rhein unterscheiden kaum noch zwischen Angeboten innerhalb oder außerhalb ihrer jeweiligen Heimatländer. Auch Partys, Clubbesuche, Festivalbesuche werden mal hier, mal dort aufgesucht. Je nachdem, was den eigenen Bedürfnissen am nächsten kommt. Da Schul-, Ausbildungs-, Arbeits- und Freizeitcommunities sich eher nach gemeinsamen Interessen als nach Landeszugehörigkeit bilden, war dies für Fachkräfte aus der Suchtprävention Anlass genug, es den Jugendlichen gleich zu tun. Denn auch Bedarfs- und Problemlagen machen vor Ländergrenzen nicht halt. Deshalb lag es auf der Hand, sucht- bzw. alkoholpräventive Angebote grenzüberschreitend zusammenzuführen und eng miteinander zusammenzuarbeiten.

Länder wachsen zusammen – 2013 auch in der Alkoholprävention!

Tatsächlich gestalten sich Problemlagen bei allen ähnlich. Alkohol gehört in der Euregio zu der am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanz, wie mehrfach durchgeführte länderübergreifende Jugendbefragungen zeigten. Jugendliche machen schon früh Erfahrungen mit Alkohol, trinken regelmäßig und vor allem größere Mengen. Viele wissen nur wenig über Alkohol, halten mit, weil Gruppendruck dies vorgibt oder folgen dem Imageversprechen, dass Alkohol zu einem genussvollen, lockeren, erwachsenen und stylischen Leben dazu gehört. Der frühe, mitunter äußerst riskante Alkoholkonsum birgt Risiken und Gefährdungen, die das Dreiländereck und ihre Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen betreffen. Deshalb hat der euregionale Arbeitskreis euPrevent – Sucht – ein Zusammenschluss von Präventionsfachkräften der drei Länder Deutschland, Niederlande und Belgien – sich entschieden, Ressourcen zu bündeln und gemeinsame Angebote zu entwickeln. Entstanden ist dabei der euregionale Parcours zur Alkoholprävention, der nun in allen beteiligten Ländern zum Einsatz kommt. Sowohl die Stationen des Parcours, das Peer-Schulungskonzept und Methodenhandbuch sind konkrete Ergebnisse dieser trinationalen Zusammenarbeit.

Geteilt und gewonnen – Zusammenarbeit zahlt sich aus

Beim Parcours haben alle drei Länder in ähnlichem Umfang Arbeitsressourcen und Kompetenzen beigesteuert. Gewonnen haben dabei alle, denn die besten Methoden jedes Landes wurden im Parcours und seinem Methodenfundus aufgenommen. Die belgischen Kolleginnen und Kollegen des euregionalen Arbeitskreises hatten beispielsweise sehr gute Erfahrungen mit einer "Trinkmengen-Station" gesammelt, die 1:1 im Parcours integriert wurde. Ganz simpel und dafür umso anschaulicher wird über ein Trichtersystem veranschaulicht, wie, in welchen Körperregionen und nach welcher Zeit Alkohol im Körper wirkt. Das Bild des Trichters, in den einfach hinein genossen wird, entspricht einer Alkoholprävention mit kritischem Augenzwinkern und sorgt für eine unverkrampfte und zugleich zugespitzte Auseinandersetzung. Von den deutschen Fachkräften wurde eine Station mit Rauschbrillen und dazugehörigen motorischen Übungen in das Gemeinschaftsprojekt hineingegeben – ein Evergreen der Alkoholprävention, der Jugendliche nach wie vor seinen Bann zieht. Gemeinsam entwickelte man eine neue Flirt-Station, an der auch Peers aus Deutschland beteiligt wurden. Sie baut auf erlebter Feier- und Flirtkultur der Freizeitcommunities in den Grenzgebieten auf und wird inzwischen, auch losgelöst vom Gesamtparcours, mit großem Erfolg eingesetzt. Eine alkoholfreie Cocktailbar mit dazugehörigem Methoden- und Rezepthandbuch, entwickelt von den niederländischen Fachkräften, soll in Kürze in den Parcours eingearbeitet werden.

Wenn aus grenzübergreifendem Austausch Zusammenarbeit wird

Als der euregionale Arbeitskreis von der Nominierung erfuhr, befand sich der Parcours gerade wieder für vier Wochen in Belgien. Die Aachener Fachkraft kann in der Zeit duplizierte Parcourselemente parallel nutzen. Die Fachkräfte profitieren untereinander von ihren Erprobungen und können daraus gemeinsam Schlüsse für die Weiterentwicklung und Einsätze ziehen. In Kürze sind die niederländischen Übersetzungen von Moderationstexten zu einzelnen Stationen und des Methodenhandbuches abgeschlossen und werden mit in das Methodenbuch des Parcours einfließen.

Die Projektpartner sind Mitglieder des euregionalen Arbeitskreises euPrevent-Sucht und hatten schon vor dem gemeinsamen Projekt miteinander zu tun. Es hatte bereits Tradition, dass man sich grenzübergreifend zu aktuellen Entwicklungen beim Drogengebrauch, zu Konsummustern, Konsumhäufigkeit und suchtpräventive Maßnahmen untereinander austauschte. Bei dem Arbeitskreis handelt es sich um einen Zusammenschluss von Präventionsfachkräften in der Euregio Maas-Rhein. Vertretene Institutionen sind Mondriaan Zorgroep und die Gesundheitsämter Nord- und Mittel-Limburg (GGD Noord- en Midden Limburg) aus den Niederlanden, Centra voor Alcohol- en andere Drugproblemen (CAD) Limburg, und die Arbeitsgemeinschaft für Suchtvorbeugung und Lebensbewältigung (ASL) aus Belgien. Aus Deutschland sind die Suchthilfe Aachen, das Gesundheitsamt Kreis Euskirchen, das Gesundheitsamt Kreis Heinsberg, die Kreispolizeibehörde Heinsberg/ Kommissariat Vorbeugung sowie die AOK Heinsberg vertreten. Auf der Umsetzungsebene kooperieren verschiedene Institutionen und Personen mit dem Projektträger. Hierzu gehören zum Beispiel Jugendfreizeiteinrichtungen, Ausbildungsbetriebe, Vereine, Organisatoren von Jugendmessen der jeweiligen Länder und Peers, die über diese Einrichtungen gewonnen werden.

Nach wie vor bestehende Sprachbarrieren und Strukturunterschiede von Suchtprävention und Jugendhilfe erfordern viel Koordinierungsaufwand und Durchhaltevermögen. Doch Erfolg und Gewinn des fachlichen Austauschs rechtfertigen diesen Aufwand einer trinationalen Zusammenarbeit. So kann man auf vielfältige Erfahrungen unterschiedlicher Fachkräfte und internationaler Hilfesysteme zurückgreifen und voneinander profitieren. Im Arbeitskreis war man sich über gemeinsame Ziele schnell einig und auch die Standards zeitgemäßer Alkoholprävention sind weitgehend deckungsgleich. Jugendliche sollen an dem biographischen Einschnitt erreicht werden, an dem Alkohol für sie spannend wird. Entweder, weil sie selbst damit experimentieren oder ihre Freundinnen und Freunde erste Erfahrungen machen, die in ihrer Peergroup ein wichtiges Thema sind. Ohne moralische Appelle wird Jugendlichen ermöglicht, sich spielerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihre Haltungen ohne Angst vor Abwertung oder Bestrafung offen im Gespräch mit Peers und Fachkräften frei zu äußern.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Projektpartner besteht darin, Informationen nicht nur zu vermitteln, sondern durch lebensnahe Auseinandersetzungen an den Stationen spürbar und erlebbar zu machen, miteinander in Kontakt zu treten, um so zum Nachdenken und Überprüfung des eigenen Konsumverhaltens anzuregen. Viele der beteiligten Fachkräfte aus den drei Ländern verfügen über Zusatzqualifikationen beispielsweise in Bereichen der motivierenden Kurzintervention. So kann man festhalten, dass auch bei den Fachkräften mehr Verbindendes als Trennendes zwischen den europäischen Grenzländern besteht – eine Erfahrung, die sie nun mit den Jugendlichen teilen.

Nachgefragt

Die Ehrung in Berlin hat die ohnehin kollegiale Zusammenarbeit im euroregionalen Arbeitskreis noch weiter gestärkt. Man war es gewohnt, mit wenig Mitteln und Ausstattung, gemeinsam viel zu erreichen. Dass das Projekt der anspruchsvollen fachlichen Prüfung einer hochkarätigen Jury genügte, machte allen Mut und zeigte, dass man auf dem richtigen Weg ist. Die Einsätze aktuell u.a. in Berufsschulen bestätigen, dass Jugendliche in erster Linie auf spannende inhaltliche Angebote reagieren, die an ihren Erfahrungen anknüpfen und dass die Impulse der Parcoursstationen ihre Kommunikationsziele erreichen. Sie machen nachdenklich, erzeugen eine hohe Bereitschaft zum Mitmachen und Nachdenken über Alkoholkonsum und seine Folgen.
Die Mitglieder des euroregionalen Arbeitskreises nutzten unmittelbar den Schwung, die Motivation und das Preisgeld, um den Parcours wieder ein großes Stück weiter nach vorne zu bringen. Nun werden noch offene Textpassagen für den Einsatz in den Niederlanden übersetzt. Rauschbrillen werden erneuert und eine neue Themenstation wird aufgebaut. Bald werden den Jugendlichen auch noch Gewichte am Körper angelegt, um Veränderungen im Bewegungsverhalten unter Alkoholeinfluss zu verdeutlichen. Deutlicher kann man wohl kaum machen, wie übermäßiger Alkohol im wahrsten Sinne des Wortes belastet. Und die gewichtigen Themenstationen passen nach wie vor problemlos in einen Kleinwagen. Man will im Handling einfach bleiben, um den Parcours barrierefrei noch häufig und immer aktuell in allen drei Ländern zum Einsatz zu bringen.

Projektträger

Euregionaler Arbeitskreis euPrevent-Sucht c/o Suchthilfe Aachen

Ansprechperson

Yvonne Michel
Suchthilfe Aachen
Fachstelle für Suchtprävention
Hermannstr. 14
52062 Aachen
E-Mail: michel@suchthilfe-aachen.de


Porträt: Euregionaler Alkoholparcours

PDF-Dokument, 3 Seiten

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Die 5 Phasen des Wettbewerbs

  1. Projekte einreichen
    15.05.2012 bis 24.08.2012
  2. Bewertung durch die Jury25.08.2012 bis 10.12.2012
  3. Bekanntgabe der Nominiertenab 11.12.2012
  4. Preisverleihung20.02.2013
  5. DokumentationEnde Februar 2013