Verband der Privaten Krankenversicherung

Verband der Privaten Krankenversicherung

Diese Website ist ein Service der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Studentische ProjektgruppeStudentische Projektgruppe


„Highline“„Highline“


Die Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsene bei Projekten der Alkoholprävention gilt inzwischen als „Muss“, um nah genug an den Zielgruppen zu sein. Junge Frauen und junge Männer werden bei der Projektentwicklung oder über Peer-Einsätze einbezogen. Nur so werden Jugendliche authentisch und glaubwürdig angesprochen und sind für Anliegen der Alkoholprävention zu gewinnen. Seltener ist es allerdings, wenn das Projekt vollständig aus der Zielgruppe selber kommt, von ihr konzipiert und selbstverwaltet organisiert wird. Die studentische Projektgruppe „Highline“ hat sich schon seit 2004 alleine organisiert und führt seitdem Maßnahmen zur Alkoholprävention durch. Die jungen Erwachsenen, die Alkoholprävention in ihrer Stadt umsetzen, Orte des Feierns und Partys aufsuchen, sind Studierende der Hochschule Merseburg. Die Fluktuation in ihrer Gruppe ist hoch, denn durch Studienabschlüsse, Aufnahme einer Arbeit, Familiengründung oder Wegzug vom Studienort muss sich die Gruppe immer wieder neu aufstellen. Die „Neuen“ tragen die Staffel weiter, knüpfen am Bestehenden an und setzen ihrerseits neue Akzente. Man kann dies als fortlaufende Organisationsentwicklung verstehen, die den jungen Akteuren viel abverlangt. Highline setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol ein und hat dabei besonders Verkehrsteilnehmende im Blick. Als Fahrerinnen und Fahrer von Autos, Mitfahrende, Nutzende des Öffentlichen Nahverkehrs, Partygänger auf Fahrrädern oder sogar Fußgängerinnen und Fußgänger. Zu einer ausgeglichenen Feier- und Partykultur gehört nach Ansicht der jungen Studierenden auch, dass der Abend und die Nacht gefahrlos für alle enden.

Studierende als Botschafter einer schönen Feier- und Partykultur

Nur wer die Wirkungen von Alkohol genau kennt, seine körperlichen, sozialen und psychischen Folgen einschätzen kann, ist in der Lage, Gefahren und Nachteile für sich und andere auszuschließen. Aber es geht um noch mehr. Alkohol sollte nach Ansicht der „Highline-Gruppe“ nicht als Stimmungslöser, Kontaktanbahner, zum Frustabbau oder gegen die gemeinsame Langeweile konsumiert werden, sondern ist ein Genussmittel, das reflektierten Konsum voraussetzt. Das fordert von Jugendlichen, sich über ihre Konsummotive im Klaren zu sein, eigene Vorstellungen zu entwickeln, wie man gern miteinander feiern möchte und wie man aufeinander Acht gibt. Maßloser Alkoholkonsum trübt die Feierlaune, beeinträchtigt Freundschaften, ist Beziehungskiller, vermasselt Flirtgelegenheiten und steht so einer ausgelassenen und fröhlichen Feierkultur entgegen. Aus diesen Gründen machen sich Studierende der Hochschule Merseburg regelmäßig auf den Weg zu offiziellen und informellen Orten des Feierns. Wie Botschafter des schönen Feierns klären die jungen Frauen und Männer auf humorvolle Weise über Wirkungen des Alkohols auf, informieren wie lange es dauern kann, bis sich Alkohol im Körper wieder abgebaut hat und wieder Fahrtüchtigkeit besteht, sprechen Mitfahrende auf ihr Bedürfnis nach einem sicheren Heimweg an, ermöglichen Alkoholtests und kommunizieren Alternativen zum Rauschtrinken und vor allem dem Fahren unter Alkoholeinfluss. Besser als jede Warnung sind „Katerbeutel“ für
den Morgen danach, die gern angenommen werden. Wer während der Party in die ausgeteilte Tüte schaut und sich über die kleinen Give-aways freut, ist automatisch mit unerwünschten Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum konfrontiert und kann rechtzeitig gegensteuern.

Lernen, anwenden, auswerten und immer besser werden!

Das Projekt setzte im Frühjahr 2012 neu an und ging mit neuen Studierenden in die Pilotphase. Zunächst ging es darum, verschiedene Settings und Kombinationen verschiedener Methoden auszuprobieren. Dafür gingen die Peers auf drei Open-Air-Konzerte und in zwei Clubs, jeweils an vier Abenden in eine Kleinstadt und sie suchten in einer Großstadt beliebte Plätze und Treffpunkte von Jugendlichen auf. Dabei wurden mehr als 1.000 Katertüten verteilt. Anschließend wurden diese Einsätze
gründlich ausgewertet. In der Konsequenz wurden die Katertüten später etwas sparsamer ausgegeben, stattdessen nahm die Informationstiefe der geknüpften Kontakte zu. Über Alkoholtester kam man mit den Jugendlichen ins Gespräch, informierte über Gewöhnungseffekte des Alkohols und Nachlassen der Reaktionsfähigkeit. Um dabei nachhaltiger vorzugehen, kooperiert man mit dem örtlichen Beratungssystem. Auf Möglichkeiten der nachgehenden Beratung und Prävention wird ausdrücklich hingewiesen.

Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Projekt „MISTEL“ in Magdeburg-Stendal. Dieses ebenfalls studentische Projekt setzt auch einen Schwerpunkt auf das Thema Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Dafür nutzt es den Zugang zu Fahrschulen. Durch die Zusammenarbeit der beiden Projektpartner werden Sichtweisen, Wissen, Zugänge und Arbeitsmethoden geteilt. Die Magdeburger Studierenden sind sehr an den Erfahrungen von „Highline“ interessiert, die sich durch Vor-Ort-Einsätze auszeichnen. Neben der Kooperation mit Partnern im Außenraum nutzen die Studierenden auch
vorhandene hochschulinterne Ressourcen. Die meisten Mitglieder der „Highline-Gruppe“ studieren Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Innerhalb des Regelangebots ihres Studiengangs besuchen sie spezifische Seminare und Veranstaltungen, die sie für ihre Peer-Einsätze mit notwendigem Wissen zu Sucht, Prävention, Therapie und Kurzinterventionen, Kommunikation und Gesprächsführung ausstatten. Lehrpersonen werten mit ihnen ihre Einsätze aus und stehen bei Bedarf für fachliche und methodische Fragen zur Verfügung. Die Studierenden geben unumwunden zu, dass es ihnen zugute kommt, theoretisch erworbenes Wissen anwenden zu können und in ihren potenziellen Handlungsfeldern erste Erfahrungen sammeln zu können.

Alkoholprävention mit tiefgreifenden "Nebenwirkungen"

Die Studierenden sind aufgrund der hohen Fluktuation wie kaum ein anderes Projekt darauf angewiesen, Bewährtes zu sichern und Innovation zuzulassen. Da immer wieder neue Mitwirkende hinzukommen, werden Grundsätze des Handelns in einem Handbuch festgehalten, das solange als Richtschnur dient, bis es aktualisiert wird. Dies findet in studentischer Selbstverwaltung statt und setzt hohe Anforderungen an Projektsteuerung, Organisation und Kommunikation voraus. Wer setzt sich mit
seinen Vorstellungen durch? Wie kann man erreichen, dass die „Neuen“ sich zunächst einarbeiten, alles vollständig erfassen, bevor sie neue Akzente setzen? Und kommen die bisherigen, engagierten Projektmitarbeitenden, die trotz enger zeitlicher und finanzieller Ressourcen das Projekt am Leben hielten, damit klar, dass nun auch Neulinge mit das Sagen haben? Dieses Ringen um gemeinsame Strategien und Lösungen dient auch der eigenen beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung. Grundlegende Skills werden schon vor Beginn einer eigenen Berufstätigkeit geübt und erprobt. Jetzt genießt die Studierendengruppe zunächst den gemeinsamen Erfolg der Nominierung. Und nach dem Feiern dieser Anerkennung haben sie sich vorgenommen, ihre Erfolgsgeschichte auch nach Leipzig zu tragen.

Nachgefragt

Die Studierenden der Hochschule Merseburg vom Projekt "Highline" haben sich viel vorgenommen. Studium, Karrierestart und anspruchsvolle Alkoholprävention - das ist eine Menge auf einmal. Allein die Finanzierung der Events und Einsätze nimmt viel ehrenamtliche Zeit in Anspruch, bevor es überhaupt richtig losgehen kann. Es ist wohl eine Mischung aus Hartnäckigkeit, hoher Eigenmotivation und dem Bewusstsein, wie wichtig diese ehrenamtliche Arbeit ist, die die jungen Leute buchstäblich auf der Straße und bei ihren Einsätzen hält. Nach dem Bundeswettbewerb Alkoholprävention wurden sie von der Polizei auf ihre Arbeit angesprochen. Dabei wurde deutlich, dass man die gleiche Einschätzung teilt: Alkohol allein "sitzt nicht mit am Steuer". Andere Drogen, neuerdings vermehr Crystal, werden häufig mitkonsumiert. Mit Offenheit und Engagement geht es also weiter. Weiterzumachen, auch wenn nach einer Ehrung wie in Berlin die Mühen der Ebene spürbar sind, ist eine spezifische Fähigkeit, auf die in der Prävention nicht verzichtet werden kann.

Projektträger

Studierendengruppe „Highline“ der Hochschule Merseburg

Ansprechpersonen

„Highline“, studentisches Projekt der Hochschule Merseburg
Fachbereich Soziales, Medien und Kultur
Geusaer Straße
06217 Merseburg
E-Mail: grae-liane@web.de


Porträt: Die studentische Projektgruppe Highline – Merseburg

PDF-Dokument, 3 Seiten

Download PDF (1,5 MB)


Weiterführende Inhalte

Suche

Die 5 Phasen des Wettbewerbs

  1. Projekte einreichen
    15.05.2012 bis 24.08.2012
  2. Bewertung durch die Jury25.08.2012 bis 10.12.2012
  3. Bekanntgabe der Nominiertenab 11.12.2012
  4. Preisverleihung20.02.2013
  5. DokumentationEnde Februar 2013