Verband der Privaten Krankenversicherung

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KOMAKOMA


Konzept zur Minderung des Alkoholmissbrauchs bei Jugendlichen

Weinfeste sind gemütlich, stimmungsvoll und einladend,... wenn Alkohol maß- und genussvoll konsumiert wird. Im Laufe der letzten Jahre haben Brauchtums- und Weinfeste immer mehr Jugendliche angezogen. Oft können diese Alkohol und seine Wirkungen noch nicht richtig einschätzen. Die Folgen beeinträchtigen ihre Gesundheit und die Stimmung auf Festen und im öffentlichen Raum leidet. Es fällt auf, dass das sogenannte Flate-Rate-Trinken in Discos und Clubs zurückgeht und stattdessen sogenannte „Ackerpartys“, Weinfeste, Stadtfeste für Jugendliche nun bevorzugte Orte werden, wo es häufig zum Rauschtrinken kommt. Diese Entwicklung ist aus Sicht der Veranstalter, Festgäste, Eltern, professionellen Fachkräfte aus Alkoholprävention, Jugendschutz und Jugendpflege problematisch und ist vor allem für die Jugendlichen von großem Nachteil. Für die Fachstelle Sucht/Fachdienst Prävention der ev. Heimstiftung Pfalz und ihrem Kooperationspartner AK Jugend & Prävention war klar, dass diese Situation nicht hinnehmbar ist und passgenaue Angebote benötigt werden. So entstand das Projekt „KOMA“ – Konzept zur Minderung des Alkoholmissbrauchs bei Jugendlichen. Alle, die sich für dieses Projekt stark gemacht haben und es so virtuos umsetzten, dass die Nachfrage höher ist als die Kapazitäten waren sich einig – es muss ganz umfassend ansetzen, um wirksam zu sein.

Alkoholprävention – nah am Geschehen!

Angebote der Alkohol- und Suchtprävention fanden bisher eher im geschützten Rahmen statt. Für jugendnahe Angebote, wie die „lange Nacht der Jugend“, „Street-Ball“ und „Soccer-Nights“ gilt die Devise, dass Alkohol und andere Suchtmittel rigoros außen vor bleiben. Für die Fachstelle Sucht und ihre Kooperationspartner war es deshalb neu, suchtpräventive Angebote nun explizit an den Orten zu platzieren, wo Risiken eines Alkoholmissbrauchs besonders nahe liegen. Auch viele Veranstalter und Betreiber kooperierten erstmalig eng mit Fachkräften des Jugendschutzes und der Suchtprävention. Doch es hat sich für alle gelohnt, aufeinander zuzugehen, gemeinsam neue Wege zu wagen und sich für eine ausgelassene, aber geordnete Feierkultur einzusetzen. Alte Positionen, dass konsequenter Jugendschutz einem guten Umsatz entgegenstehe oder Gäste abschrecken könne, wurden Schritt für Schritt aufgegeben. Über Schulungen und Informationsangebote wurde fehlendes Wissen zur Alkoholprävention und Jugendschutz aufgebaut, man hat viel miteinander gesprochen und dann, mit den Jugendlichen gemeinsam, gehandelt. Sogar eine Weinprinzessin und Mandelblütenkönigin konnte als Peer für Einsätze am KOMA Stand gewonnen werden.

Alkoholprävention mit Lachern und unverkrampfter Nachdenklichkeit

Bei KOMA geht es immer um Verhältnis- und Verhaltensprävention. Über Schulungen und Verpflichtungserklärungen der Festbetreiber, Informationsveranstaltungen für Stadtund Ortsvorsteher und den Jugendhilfeausschuss werden Rahmenbedingungen für umfassenden Jugendschutz geschaffen. Auf der Verhaltensebene werden Erwachsene in ihrem Vorbildverhalten gestärkt und Jugendliche über Informationen, Aufklärung und Beratung zu Veränderungen ihres Konsumverhaltens motiviert und begleitet. Dabei verzichten die KOMA Mitarbeitenden dennoch, gerade beim Baustein „Prävention uff`m Feschd“ auf moralische Appelle und tragen stattdessen zur freudigen Feststimmung durch humorvolle Kommunikation und Standpräsenz bei. Der Einsatz von Rauschbrillen, Behüterli und Spucktüten bieten vielfältigen Gesprächsanlass. Inzwischen konnte den Veranstaltern und Gästen nachvollziehbar vermittelt werden, dass die Fachkräfte der Suchtprävention nicht gegen Alkohol, sondern für maßvollen und selbstbestimmten Umgang und eine schöne Feierkultur werben. Man hatte und hat nichts gegen Weinfeste, sondern setzt sich für die Übernahme von Verantwortung der Festbetreiber, Gäste, Erwachsenen und Jugendlichen ein.

Neun Bausteine ergeben ein stimmiges Ganzes

Bei KOMA greifen unterschiedliche Präventionsansätze und Strategien eng ineinander. Insgesamt neun verschiedene Bausteine ergeben ein stimmiges Ganzes. Dazu gehören Informationsveranstaltungen, Schulungen von Veranstaltern, Peers und Mitarbeitenden. Eine breite Öffentlichkeitsarbeit wie „Prävention uff`m Feschd“ macht KOMA in der Region bekannt und geschätzt. KOMA ist parallel in schulischer Prävention präsent und bietet Früherkennung sowie motivierende Kurzinterventionen für riskant konsumierende Jugendliche. Dazu gehören beispielsweise „Time out Trainings“ oder Beratungen im „KOMA Mobil“. Dem Projektträger ist es sehr wichtig, die Zielgruppe selber intensiv zu beteiligen. Sei es als Peer-Engagement oder kreative Gestaltende des KOMA Bauwagens. Dieser ist Dank ihres Einsatzes ein angesagter Blickpunkt auf Festen, erzeugt Interesse und zieht viele Jugendliche an. Die ineinandergreifenden Bausteine sorgen für nachhaltige Effekte und erlauben, Jugendliche individuell abzuholen. So eine umfassende Strategie kann nicht im Alleingang bewältigt werden. Der Arbeitskreis Jugend & Prävention Neustadt vereint Ressourcen, Kompetenzen und Zugänge. Mit vertreten und schon lange gemeinsam aktiv sind unter anderem das Jugendamt und die Jugendpflege, Selbsthilfegruppen wie das Blaue Kreuz, das örtliche Mehrgenerationenhaus, Schulsozialarbeit, Jugendmigrationsdienst, Träger der freien Jugendhilfe und Wohlfahrtspflege sowie der Fachdienst Prävention / Fachstelle Sucht. Einzelne Fachpersonen dieses Arbeitskreises verfügen darüber hinaus über Zusatzqualifikationen wie z.B. in Spiel- und Erlebnispädagogik, Methoden der motivierenden Kurzintervention (MOVE) oder Suchtkrankenhelferausbildung. Als neue Partner wurden die Ortsgemeinden über die Ortsvorsteher, das Touristen- und Kongresszentrum der Stadt sowie die jeweiligen Ausschankbetreiber wie Vereine, Weingüter und Landjugend gewonnen. Von ordnungspolitischer Seite sind Vertreter des Ordnungsamtes und des Jugendsachgebietes der Polizei eingebunden. Immer mehr Institutionen und Akteure können sich den Zielen einer Alkoholprävention anschließen, die nicht dagegen hält, sondern sich für mehr Spaß, Geselligkeit und Verantwortungsbewusstsein einsetzt.

Nachgefragt

Das Projekt KOMA des Fachdienstes Prävention in Neustadt ist nach der Preisverleihung wirklich in jeder Hinsicht und auf allen Ebenen "gewichtiger geworden". So wurden die Informationsmaterialien und Give aways angereichert und noch attraktiver gestaltet, weitere Schulungen der Peers motivieren und qualifizieren sie für ihre vielen künftigen Einsätze, die Anfragen ans KOMA Mobil und seinem Fachteam nehmen noch mehr zu, die Bekanntheit des Projektes und ihrer Akteure ist gewachsen, die Wege zwischen benachbarten Ämtern und weiteren sozialen Anbietern wurden kürzer und die eintreffenden Glückwünsche aus Politik und Verwaltung von allen Ebenen freuen und beflügeln das Projektteam und ihre Bündnispartner. Und dies tut nicht zuletzt selbst gestandenen Vollprofis der Alkoholprävention gut. Im Rahmen des Bundeswettbewerbs Alkoholprävention genoss man es, freiwillig und offen lang angewendete Ansätze und Methoden auf den Prüfstand zu stellen und sich mit anderen darüber auszutauschen, um so voneinander zu profitieren. Dieser Schwung ist im KOMA Projekt noch immer zu spüren, das nun gut ausgerüstet und motiviert in die nächste Weinfest-Saison gestartet ist.

Projektträger

Arbeitskreis Jugend & Prävention Neustadt

Ansprechperson

Matthias Möndel
Fachstelle Sucht, Fachdienst Prävention
Schillerstraße 11
67434 Neustadt
E-Mail: m.moendel@evh-pfalz.de


Porträt: KOMA – Fachstelle Sucht, ev. Heimstiftung Pfalz

PDF-Dokument, 3 Seiten

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Die 5 Phasen des Wettbewerbs

  1. Projekte einreichen
    15.05.2012 bis 24.08.2012
  2. Bewertung durch die Jury25.08.2012 bis 10.12.2012
  3. Bekanntgabe der Nominiertenab 11.12.2012
  4. Preisverleihung20.02.2013
  5. DokumentationEnde Februar 2013