Verband der Privaten Krankenversicherung

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Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung



Starker Wille statt PromilleStarker Wille statt Promille


(„SWSP“)(„SWSP“)


Neue Perspektiven einnehmen, in fremde Rollen schlüpfen, beobachten, sich fragen, was man selber tun würde – das alles sind Vorzüge eines alten Methodenklassikers in der Sucht- und Alkoholprävention: im Rollenspiel. Doch wer heute mit Jugendlichen arbeitet, der weiß, dass sie für dieses traditionelle Vorgehen kaum zu begeistern sind. Das Projektteam von „Starker Wille statt Promille“ setzt dem ein neues, zeitgemäßes Format entgegen – ein Format, das einlädt zum Innehalten, zum Weiterdenken, zum Ausprobieren und auch zum „selbst inszenieren“ in der eigenen Lebenswelt. Basis sind interaktive Videoclips von, für und mit Jugendlichen, die auch auf einem „YouTube Channel“ angeschaut und unter anderem über Social Media verbreitet werden. Die kurzen, aufeinander aufbauenden Filmsequenzen wollen jedoch mehr als den klassischen, „passiven“ Konsum von Bildern und Geschichten auf der Leinwand. Sie fordern heraus. Der Zuschauer, die Zuschauerin selbst wird zum Akteur, trifft Entscheidungen, erlebt die Folgen unmittelbar und muss sich die Frage stellen: Warum habe ich diesen Weg gewählt? In Schulen und in der Jugendarbeit dienen die Videoclips als Einstieg in eine angeleitete vertiefte Auseinandersetzung über den persönlichen Umgang mit Alkohol. Sie bieten Raum für Diskussion, spitzen typische Situationen lebensnah zu und provozieren auf diese Weise Fragen nach eigenen Standpunkten und Entscheidungen. Ist mehr Zeit vorhanden, gibt das Projekt Jugendlichen Raum, selbst Situationen, Entscheidungsmomente und Alternativen darzustellen, indem sie weitere Videoclips produzieren, diese mit anderen teilen und diskutieren.

Provozierende Videoclips mit offenem Ende

Die Geschichten, Settings und Konfliktsituationen der Videoclips wurden und werden von Jugendlichen erdacht und gestaltet, begleitet durch pädagogische Fachkräfte. Das jeweils offene Ende motiviert, eigenes Risikoverhalten kritisch zu hinterfragen, alternative Handlungsoptionen abzuwägen und sich darüber bewusst zu werden, dass man immer die Wahl hat. Das Projekt, das seit Anfang 2013 vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung und Kooperationspartnern getragen wird, unterstützt so die individuelle Entscheidungsfindung von Jugendlichen. Spannend, jugendgerecht und pointiert werden personale Kompetenzen im Umgang mit Alkohol aufgebaut und stabilisiert.

„Starker Wille statt Promille“ richtet sich an junge Menschen zwischen 13 und 21 Jahren, die schon über Konsumerfahrungen verfügen. Aber auch Jugendliche, die noch nie Alkohol getrunken haben, können von dem Projekt profitieren. Da Mädchen und Jungen oft unterschiedliche Strategien im Umgang mit Alkohol entwickeln, wird der Genderaspekt besonders berücksichtigt. Das Projekt ermöglicht, Situationen aus „weiblicher“ oder „männlicher“ Perspektive zu erleben. Auch das Handbuch für Fachkräfte ermuntert dazu, die unterschiedlichen Sichtweisen und Strategien von Mädchen und Jungen ausdrücklich einzubeziehen.

Man hat immer eine Wahl – Entscheidungen bewusst machen!

Die Kooperationspartner haben bei dem Projekt zusammengefunden, weil der riskante Alkoholkonsum von Jugendlichen auf einen hohen Bedarf schließen lässt, der neue Wege fordert. Befragt man Jugendliche, die schon einmal in Notfallambulanzen behandelt wurden, wie es zum Komasaufen, zum Rauschtrinken, starker Betrunkenheit bis zur Vergiftung gekommen ist, fehlen ihnen buchstäblich die Worte. Man sei da einfach so reingerutscht. In der Vorbereitung des Projekts haben sich Fachkräfte mit betroffenen Jugendlichen auf die Spurensuche begeben, wie sich der Abend bis zum Einliefern in die Klinik aufgebaut hat. „Starker Wille statt Promille“ macht die Entscheidungssituationen bewusst, die der Alkoholvergiftung vorausgingen, und will so dazu beitragen, dass solche Notfälle gar nicht erst eintreten.

„Starker Wille statt Promille“ wurde von einem Mediendidaktiker zusammen mit Fachkräften der Alkoholprävention des Bamberger und Würzburger Gesundheitsamtes konzipiert, entwickelt und in Kooperation mit der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V. umgesetzt. Die Videoclips wurden mit Jugendlichen des „Jungen Theaters Bamberg“ (ETA-Hoffmann Theater) produziert. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Universität Bamberg, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit fördert das Projekt. Wichtige Partner für die Arbeit mit Jugendlichen vor Ort sind die Suchtpräventionsfachkräfte an den Landrats- bzw. Gesundheitsämtern, pädagogische Fachkräfte aus Jugend- und Schulsozialarbeit sowie Lehrkräfte in Bayern. Hier kann man bei dem Projekt auf bewährte Zusammenarbeit, unter Einhaltung suchtpräventiver und pädagogischer Standards, aufbauen.

Alkoholprävention mit persönlicher Dimension

Im Handbuch für Fachkräfte, das den Einsatz in Schulen und Jugendarbeit flankiert, wird angeregt, die Jugendlichen die Auseinandersetzung selber führen zu lassen. Die Inhalte stammen direkt aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt. Die Fachkräfte beobachten, moderieren und motivieren. Sie begleiten die Jugendlichen auf ihrem Weg durch das Projekt, bieten „Leitplanken“ für den eingeschlagenen Weg, regen zu Fragen an und reflektieren gemeinsam mit den Jugendlichen.

Das Projekt „Starker Wille statt Promille“ setzt, neben den bewährten Fachkräften als Moderatoren, auf einen Peer- und Selbstverbreitungseffekt. Da die Videoclips und Geschichten auch online abrufbar sind, laden sie zum Anschauen und Diskutieren ein. In den Clips sind Jugendliche zu sehen, die dem persönlichen Umfeld in vielerlei Hinsicht entsprechen. Dies wertet die Videogeschichten auf, gibt dem Thema Alkoholkonsum eine persönliche Dimension und bietet Authentizität. Ganz „nebenbei“ erwerben Jugendliche im Projekt Medienkompetenz. Viele sind schon motiviert, eigene Clips zu drehen und zu posten. Dabei fällt auf, dass sie inzwischen weitaus vorsichtiger mit persönlichen Bildern umgehen, als es noch vor einiger Zeit der Fall war, genau nachfragen und abwägen, was sie von sich online preisgeben wollen. Der Projektträger sieht diese Entwicklung gern. Schließlich hat er sich zum Ziel gesetzt, dass Jugendliche bewusst und selbstbestimmt ihre Entscheidungen treffen. Umso besser, wenn es klappt – woanders und in der Alkoholprävention.

Nachgefragt

Das Projektteam freute sich sehr als es den Innovationspreis in feierlichem Rahmen in Berlin entgegennehmen konnte. So eine fachliche Würdigung bestätigt den innovativen Ansatz, die Zielgruppe sehr früh in die Projektentwicklung zu integrieren. Und weil das Projekt in Bayern noch lange und breitflächig umgesetzt werden soll, hat man sich entschlossen, den Esprit und Dank zunächst im Maßstab 1:1 an die Umsetzenden vor Ort weiterzugeben. Mit einer Mischung aus Wertschätzung, Innovation und Weitblick treffen sich deshalb in Kürze Fachkräfte, Multiplikatoren aus den unterschiedlichen Settings, Jugendliche und Medienschaffende. Ziel ist, sich einerseits über das Erreichte auszutauschen und zugleich die Verbreitung des Projektes mit Elan voranzutreiben. Und eine intensive Popularisierung des erfolgreichen Projektes steht ohnehin weit oben auf der Agenda des Projektträgers. Über Workshops und Informationsveranstaltungen wird das Projekt landesweit bekannt gemacht und so melden sich stetig immer mehr Fachkräfte, die mitmachen wollen und die Projektunterlagen anfordern. Die stark angestiegenen Zugriffszahlen auf die Projekthomepage nach der Preisverleihung hat die Projektverantwortlichen entsprechend gefreut. Diese Welle will man für eine Projektverbreitung auf allen Ebenen nutzen.

Projektträger

Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung

Ansprechpersonen

Elke Hoffmann
Referentin für Sucht- und AIDS-Prävention/Projektkoordinatorin SWSP,
Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung
Pfarrstr. 3
80538 München
E-Mail: elke.hoffmann@lgl.bayern.de

Lothar Riemer
Stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Bamberg
Ludwigstraße 25
96052 Bamberg
E-Mail: lothar.riemer@lra-ba.bayern.de


Porträt: Starker Wille statt Promille – Landeszentrale für Gesundheit Bayern

PDF-Dokument, 3 Seiten

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Die 5 Phasen des Wettbewerbs

  1. Projekte einreichen
    15.05.2012 bis 24.08.2012
  2. Bewertung durch die Jury25.08.2012 bis 10.12.2012
  3. Bekanntgabe der Nominiertenab 11.12.2012
  4. Preisverleihung20.02.2013
  5. DokumentationEnde Februar 2013