Verband der Privaten Krankenversicherung

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Neue FestkulturNeue Festkultur


mit Fairfest und Partypassmit Fairfest und Partypass


Das Projekt „Neue Festkultur“ wurde vor sieben Jahren ins Leben gerufen, als ein problematischer Trend mehr und mehr sichtbar wurde. Öffentliche Feste wurden immer später von Jugendlichen besucht und ihre Aufenthalte dehnten sich entsprechend aus. Und die Regel, dass „je später der Abend, desto betrunkener die Gäste“, traf leider zu. Die damit verbundenen Begleiterscheinungen wie Gewalt gegen Personen und Sachen, Krankenhauseinweisungen komatöser Jugendlicher nahmen ebenfalls zu. Der gemeinsame Spaß, das gesellige Miteinander einer bunten, altersgemischten Festgemeinde wurde immer seltener es fehlte eine verbindende und ordnende Festkultur. Auch Feste, die von Jugendlichen selbst organisiert wurden, entgleisten zunehmend und mussten immer wieder von der Polizei beendet werden. Nachdem das neue Personalausweisgesetz das Einbehalten des Ausweises verbot, wurden Jugendliche in der Region zunehmend von Festen ausgeschlossen. Die Festveranstalter wollten es vermeiden, in Konflikt mit dem Jugendschutzgesetz zu geraten. Dies wiederum führte zu „Gegenfesten“ vor dem Festeingang und in den Gemeinden mit z.T. mehreren hundert Jugendlichen und den bekannten Folgen. Dies wollte man beim Forum „Jugend/Soziales/Prävention e.V.“, in dem die Akteure der Prävention aus Jugendschutz, Jugendarbeit, Polizei, Suchtberatung etc. zusammengeschlossen sind, nicht länger hinnehmen. Mit dem Projekt „Neue Festkultur“ suchte man in Sigmaringen nach Wegen, um öffentliche Feste in der Region wieder sicherer und stimmungsvoller zu gestalten. Jugendliche sollten in die örtlichen Feste zurückgeholt und integriert werden. Die Vision liegt auf der Hand: Es galt, eine neue Festkultur aufzubauen. Mit einem Gütesiegel für faires Feiern, verbindlichen Regeln, einem Partypass und Partyspaß.

Geduld, Durchhaltevermögen und eine Vision

Nach und nach wurde eine umfassende Strategie entwickelt, die eine Selbstverpflichtung von Festveranstaltern, das Fairfest-Gütesiegel und den Partypass umfasste. Entscheidend war zunächst die Überzeugungsarbeit bei allen an Festen Beteiligten: Festveranstaltern, erlaubnisgebende Behörden und nicht zuletzt den jugendlichen und erwachsenen Festbesuchern. Dies brauchte Geduld, Durchhaltevermögen und das eiserne Festhalten an der Vision. Von alledem gab es genug und nicht zuletzt das persönliche Engagement der Beteiligten war außerordentlich hoch, denn die Probleme duldeten ihrer Ansicht nach keinen Aufschub.

In vielen weiterführenden Schulen in der Region wurden Info- und Diskussionsveranstaltungen mit älteren Schülern durchgeführt, mit Schülervertretungen gesprochen und bei der Organisation von Schülerfesten beraten. Es wurden runde Tische mit Hallenvermietern, Jugendlichen und Ordnungsämtern organisiert. Der Projektträger intervenierte in Gemeinden, in denen die Fronten zwischen Verwaltung und Jugendlichen schon verhärtet waren. Sport-, Musik- und Brauchtumsvereine wurden besucht. Mitunter brauchte es mehrere Anläufe bis Gespräche zustande kamen und die Vorteile eines gemeinsamen Vorgehens für alle Seiten sichtbar wurden. Die Mitarbeitenden des Projektträgers besuchten Feste, schauten sich dort um, sprachen mit Besuchern, Veranstaltern, Security-Kräften und loteten aus, welche Regeln, Kontrollen, Angebote und Vereinbarungen notwendig und vertretbar sind, damit alle fair feiern können.

Doch wo eine Vision ist, gibt es auch Widerstand. Über ein soziales Netzwerk wurde von Schülern ein „Anti-Fair-Fest-Forum“ ins Leben gerufen. Doch dieses verfehlte sein eigentliches Ziel und trug sogar dazu bei, dass die Aktion „Fair Fest“ noch mehr Aufmerksamkeit fand. Viele Jugendliche stellten fest, dass die Aktion letztlich ihren Bedürfnissen nach Feiern sogar entgegen kam und arbeiteten ab dann mit dem Projektträger zusammen.

Lebendige Netzwerke für eine neue Festkultur

Das Projekt „Neue Festkultur“ setzt auf mehreren Ebenen an und knüpft lebendige örtliche Netzwerke. Dem liegt die Leitidee zugrunde, dass wachsender Alkoholkonsum nicht der Sinn und der Inhalt von Festen sein kann. Vielmehr geht es um kreative Festinhalte und Anlass von Begegnungen. In dem Sinne werden die Beteiligten beraten, geschult, an neuen Festkonzepten beteiligt und zu Selbstverpflichtungen aufgefordert.

Jugendgruppen, die Feste ausrichten wollen, erhalten Beratung für pfiffige Fest-Konzepte und eine sinnvolle Festplanung. Jugendliche brauchen die Möglichkeit, sich bei einem Fest zu zeigen und untereinander in Kontakt zu kommen. Dies senkt den Alkoholkonsum deutlich. Komatös in Krankenhäuser eingelieferte Jugendliche werden von der Suchtberatungsstelle kontaktiert bzw. werden deren Eltern vom Familienrichter zur Kontaktaufnahme aufgefordert. Für diese Zielgruppe hält die Suchtberatungsstelle ein spezielles Gruppenangebot vor. Teilnehmende bekommen auch nach dem Ende des Seminars regelmäßige SMS auf ihr Handy.

Festveranstalter, vor allem aus dem Vereinsbereich, werden in Belangen des Jugendschutzes geschult und dahingehend beraten, wie die Anforderungen des Fairfest-Gütesiegels umgesetzt werden können.

Auf einer eigenen Homepage, auf Facebook sowie auf Webseiten der Kooperationspartner wirbt der Träger für Fairfest-Veranstaltungen:
www.jsp-sig.de, www.fairfest.de, www.partypass.de, www.netzwerk-neue-festkultur.de.

Der markengeschützte Partypass wurde inzwischen über 100.000 Mal heruntergeladen und ermöglicht Jugendlichen das Mitfeiern unter Einhaltung des Jugendschutzes.

Die Entwicklungen wurden evaluiert und der „gefühlte“ Eindruck, dass sich etwas verändert, konnte hier belegt werden: Die Einsätze von Polizei und Rettungsdiensten nahmen ab und die Veranstalter sind zufriedener mit ihren Veranstaltungen. Der Stimmung bei den Festen tut dies derweil keinen Abbruch, im Gegenteil.

Der Landrat des Landkreises Sigmaringen hat sich mit einer „Leitlinie für eine neue Festkultur“ hinter die Idee gestellt. Diese Leitlinie wurde inzwischen von 16 Landräten in Baden-Württemberg unterzeichnet. Diese Landkreise haben sich zu einem landesweiten Netzwerk zusammengeschlossen. Weitere Landkreise werden folgen. Einige Narrenvereinigungen haben sich mittlerweile mit einer eigenen Leitlinie gleichen Inhalts angeschlossen.

Eine Idee, die intensiv auf Vernetzung und Überzeugung baut hat sich durchgesetzt. Sie ist dabei, zum Selbstläufer zu werden. In der öffentlichen Wahrnehmung ist ein Wandel spürbar: Inhalte von Festen stehen im Vordergrund, Alkoholkonsum wird weniger toleriert.

Nachgefragt

Natürlich war beim Landratsamt in Sigmaringen die Freude groß als der Hauptpreis gewonnen wurde. Doch nach der Preisverleihung machten sich die Projektträger sofort auf den Weg, um den Dank und die erhaltene Anerkennung in die Landkreisgemeinden zurückzugeben. Hier hatte alles begonnen und es war dem Mitwirken der örtlichen Vereine und den Festveranstaltern zu verdanken, dass aus dem zunächst Kleinen etwas ganz Großes wurde. Dem Projektteam ist klar, dass es die Akteure vor Ort sind, die eine neue Festkultur etablieren und Jugendschutz vor Ort stärken. Und deshalb sind es ihrer Ansicht nach eigentlich die Marke und das landesweite Netzwerk, die den Preis gewonnen haben und die der Erfolg gemeinsam immer weiter nach Vorne bringt. Sei es mit einer Präsentation auf der Landesgartenschau, bei der Weiterentwicklung und Bekanntmachung des Party Passes, dem Ausbau des Netzwerkes und viel persönlicher Überzeugungsarbeit bei allen, die Partys und Feste mit mehr Spaß und verantwortungsvollem Alkoholkonsum feiern wollen.

Projektträger

Forum Jugend|Soziales|Prävention e.V.
Leopoldstraße 4
72488 Sigmaringen
E-Mail: info@jsp-sig.de

Ansprechpersonen

Dietmar Unterricker
Landratsamt Sigmaringen – Fachbereich Jugend
Leiter der Kinder- und Jugendagentur ju-max
Antonstraße 20
72488 Sigmaringen
E-Mail: Dietmar.Unterricker@lrasig.de

Martin Klawitter
Polizeidirektion Sigmaringen – Leiter Sachbereich Prävention
Karlstraße 15
72488 Sigmaringen
E-Mail: Martin.Klawitter@polizei.bwl.de


Porträt: Neue Festkultur mit Fairfest und Partypass – Forum Jugend Soziales Prävention e.V.

PDF-Dokument, 3 Seiten

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Die 5 Phasen des Wettbewerbs

  1. Projekte einreichen
    15.05.2012 bis 24.08.2012
  2. Bewertung durch die Jury25.08.2012 bis 10.12.2012
  3. Bekanntgabe der Nominiertenab 11.12.2012
  4. Preisverleihung20.02.2013
  5. DokumentationEnde Februar 2013